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02.05.2017

SonntagsBlick-Artikel «Altersheime in der Schweiz»

Stellungnahme von CURAVIVA Schweiz.

CURAVIVA Schweiz bedauert, dass im Artikel «So leiden unsere Grosis» der Ausgabe vom 30. April 2017 im SonntagsBlick der Leserschaft ein verzerrtes Bild des Einsatzes von bewegungseinschränkenden Massnahmen in den Pflegeinstitutionen in der Schweiz pro­ji­zie­rt wurde.

Entgegen den in den zwei Artikeln «So leiden unsere Grosis» und «Rendite mit Rentner» gemachten Aussagen stellt CURAVIVA Schweiz folgende Punkte richtig:

Artikel «So leiden unsere Grosis»:

Aussage «Expertenstudie von CURAVIVA Schweiz»: Der SonntagsBlick bezieht sich auf den Abschlussbericht der Evaluation der CURAVIVA ReduFix-Schulung aus dem Jahr 2012. Aus Sicht von CURAVIVA Schweiz handelt es sich hier nicht um eine Expertenstudie mit repräsentativem Anspruch zum Einsatz von freiheitseinschränkenden Massnahmen in Heimen. Dieser Bericht wurde 2012 erstellt, um im Rahmen der Einführung des Erwachsenenschutzrechts 2013 die Wirksamkeit von ReduFix-Schulungen zu prüfen und bezieht sich auf eine Datengrundlage von lediglich 10 Heimen, was keinen Rückschluss auf die Gesamtheit der rund 1'600 Heime in der Schweiz zulässt.

  • Den Abschlussbericht als Expertenstudie auszuweisen mit der Aussage, aktuell seien 25 Prozent der Bewohnenden von freiheitseinschränkenden Massnahmen betroffen, ist aus Sicht von CURAVIVA Schweiz fachlich inkorrekt. Ausserdem wird mit der Erwähnung einer Expertenstudie eine falsche Legitimität vermittelt, welche von Seiten CURAVIVA Schweiz, als Auftraggeber des Abschlussberichts, nicht genehmigt wurde. CURAVIVA Schweiz distanziert sich klar von der Aussage, aktuell seien 25 Prozent der Bewohnenden von freiheitseinschränkenden Massnahmen betroffen.

Aussage «Meldungen über misshandelte Senioren in Heimen um 10 Prozent gestiegen» (Schlagzeile auf Titelseite, Druckausgabe): Insgesamt stiegen bei der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter (UBA) die Beschwerde-Meldungen um 10 Prozent, das heisst im häuslichen sowie institutionellen Bereich.

  • Die Aussage der Schlagzeile, dass dieses prozentuale Wachstum sich alleine auf die Heime bezieht, ist nicht korrekt. Auch die Aussage, dass es sich dabei um Meldungen zu misshandelten Senioren in Heimen handelt, ist nicht korrekt. Bei den Meldungen handelt es sich nicht nur um körperliche oder physische Gewalt, sondern mehrheitlich um nichtphysische Anliegen wie beispielsweise finanzielle Problemstellungen und Kommunikationsprobleme zwischen den beteiligten Parteien. Die oben erwähnte Steigerung alleine auf Misshandlungen in Heimen zu beziehen, ist aus Sicht des Dachverbands sachlich nicht zulässig.

Artikel «Rendite mit Rentnern»:

Aussage «fast 20 Milliarden Franken in zusätzliche Pflegeheime investiert»: Es ist eine Tatsache, dass laufend in die Infrastruktur der Pflegeheime investiert werden muss. Zum einen haben sie Erneuerungsbedarf und zum anderen müssen sie den Bedürfnissen künftiger Generationen an Pflege und Betreuung gerecht werden. Solche Investitionen sind unerlässlich und wichtig für die Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden Pflege.

  • Das erwähnte Investitionsvolumen hat nicht automatisch mit Renditeerwartungen zu tun, das wäre eine falsche Schlussfolgerung. Es ist in der Heim-Branche üblich, dass investiert wird, ohne dass überzogene Renditeerwartungen die Folge sind.
  • Die implizierte Schlussfolgerung «mehr Rendite, weniger Zeit» ist in dieser Absolutheit nicht korrekt. Durch das Krankenversicherungsgesetz (KVG) sind die Pflegeleistungen geregelt. Auch die Vorgaben und Regelungen zur Sicherung der Qualität in den Heimen sind kantonal festgeschrieben und werden entsprechend kontrolliert. Richtig ist, dass gerade der ältere Mensch Zeit und Zuwendung benötigt. Dafür engagiert sich CURAVIVA Schweiz zusammen mit seinen Mitgliederinstitutionen seit langer Zeit. Es ist aber gerade das KVG, welches eine Trennung zwischen Pflege und Betreuung macht und damit einen Graben zwischen finanzierten und nichtfinanzierten Leistungen schafft. Die wichtige Betreuungsleistung wird von den Krankenkassen nicht finanziert und obliegt den Bewohnern und Bewohnerinnen.

Haltung CURAVIVA Schweiz zu bewegungseinschränkenden Massnahmen

Das Thema der bewegungseinschränkenden Massnahmen befindet sich stets zwischen zwei Polen: Dem Schutz vor Unfällen und der Einschränkung der Bewegung bzw. Freiheit. In diesem Rahmen geht es vor allem um eine fachlich abgestützte Gewichtung dieser zwei Pole. Für den nationalen Dachverband CURAVIVA Schweiz ist jedoch ganz klar, dass auf freiheitsbeschränkende Massnahmen wenn auch immer möglich zu verzichten ist.

Der Einsatz von bewegungseinschränkenden Massnahmen bei nicht urteilsfähigen Menschen ist im Erwachsenenschutzgesetz verbindlich geregelt. Diese dürfen nur angewendet werden, wenn alle alternativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Entscheidungskompetenz liegt bei den Pflegeinstitutionen. Hingegen haben die vertretungsberechtigten Angehörigen die Möglichkeit, diesen Entscheid bei der zuständigen Erwachsenenschutzbehörde anzufechten. Dadurch werden auch nicht urteilsfähige Menschen vor fachlichen Fehlentscheidungen geschützt. Urteilsfähige Menschen entscheiden grundsätzlich immer selber bei potenziellen freiheitseinschränkenden Massnahmen.

Was macht CURAVIVA Schweiz konkret zur Förderung der Reduktion von bewegungseinschränkenden Massnahmen in Pflegeinstitutionen:

Inhouse-Schulungen von CURAVIVA Weiterbildung für Mitgliederinstitutionen zur Reduzierung von bewegungseinschränkenden Massnahmen.
=> Link: Inhouse-Schulung für Pflegeinstitutionen bezüglich bewegungseinschränkender Massnahmen von CURAVIVA Weiterbildung

Online-Themendossier zum Thema Bewegungseinschränkende Massnahmen, in welchem CURAVIVA Schweiz wichtige Fachinformationen und Musterdokumente/ Anleitungen zur Reduktion von bewegungseinschränkenden Massnahmen zur Verfügung stellt.
=> Link: Online-Themendossier «Bewegungseinschränkende Massnahmen»

Fachpublikation von CURAVIVA Schweiz zum neuen Erwachsenenschutzrecht
=> Link: Fachpublikation «Erwachsenenschutzrecht»

Fachpublikation von CURAVIVA Schweiz zur Würde und Autonomie im Alter
=> Link: Fachpublikation «Würde und Autonomie im Alter»

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