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10.09.2018

Richtlinien zur Urteilsfähigkeit in der medizinischen Praxis

CURAVIVA Schweiz begrüsst den Richtlinienentwurf der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW).

Die vorgeschlagenen Richtlinien der SAMW umfassen Grundsätze, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Instrumente zur Evaluation der Urteilsfähigkeit – sowohl im Allgemeinen als auch in einzelnen Handlungsfeldern der Medizin. SAMW weist mit dem Richtlinienentwurf darauf hin, dass die Frage nach der Urteilsfähigkeit mit Sensibilität und Sorgfalt anzugehen ist. Die Richtlinien sollen als Orientierungsrahmen in der medizinischen Praxis verstanden werden.

Grundsätzlich nimmt CURAVIIVA Schweiz zum Inhalt der vorgeschlagenen Richtlinien positiv Stellung. Jedoch weist der nationale Branchenverband in seiner Stellungnahme darauf hin, dass eine wichtige Personengruppe fehlt: Menschen mit kognitiver Behinderung. Analog zu Kinder und Jugendlichen existiert auch bei dieser Menschengruppe die Vermutung der Teil-Urteilsfähigkeit. Es ist erwiesen, dass auch Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung zu einem grossen Teil in der Lage sind, medizinische Eingriffe, Behandlungen und deren Folgen abszuschätzen. Aus diesem Grund legt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) heute meistens nur noch Teilbeistandschaften bei Menschen mit kognitiver Behinderung fest und ist sehr zurückhaltend mit dem Verfügen der vollumfassenden Beistandschaft. Die Informationen und Erklärungen müssen jedoch adressatengerecht vermittelt werden. CURAVIVA Schweiz fordert, dass die Richtlinien auch in leichter Sprache und barrierefrei zur Verfügung gestellt werden. Im Zeitalter der Umsetzung der UN-BRK ist dies ein wichtiges Kriterium, damit Menschen mit kognitiver Behinderung über sich selber bestimmen können und in der Teilhabe nicht weiterhin ausgeschlossen werden.

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