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07.08.2019

Suchterkrankungen können neu eine IV-Rente begründen

CURAVIVA Schweiz begrüsst die Änderung der Rechtsprechung des Bundesgerichts.

Wer an einer Suchterkrankung leide, habe diese selbst verschuldet und könne sie bei genügend grosser Willensanstrengung auch überwinden. Von dieser Prämisse gingen IV und Bundesgericht bisher aus. Die Suchterkrankung wurde deshalb nicht als einen Gesundheitsschaden anerkannt, die eine Erwerbsunfähigkeit begründen kann. Folglich hatten Menschen, die in erster Linie an einer Suchterkrankung leiden, in der Vergangenheit keine Chance auf eine IV-Rente.

Dies ändert nun ein Urteil, welches das Bundesgericht im Juli gefällt hat. Neu anerkennt das Bundesgericht nicht nur, dass Abhängigkeitssyndrome eine Krankheit sind. Es übernimmt auch die medizinische Erkenntnis, dass ein Suchtmittelentzug nicht immer möglich ist oder den Schaden nicht immer am geringsten hält. Sowohl die Auswirkungen der Suchterkrankung auf die Erwerbsfähigkeit als auch die Therapiemöglichkeiten werden neu als individuell sehr unterschiedlich betrachtet. Dies führt dazu, dass eine Suchterkrankung in Zukunft keinen automatischen Ausschluss einer IV-Rente mehr bedeutet. Vielmehr muss im Einzelfall geklärt werden, ob aufgrund der konkreten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit und der vermuteten Dauer des Gesundheitsschadens Anspruch auf eine Rente besteht. Suchterkrankungen werden damit neu mit demselben Abklärungsverfahren beurteilt, das heute bereits bei allen anderen psychischen Störungen angewendet wird.

CURAVIVA Schweiz begrüsst den Entscheid des Bundesgerichts. In der Pflicht sind nun die IV-Stellen, damit das individuelle Abklärungsverfahren rasch einen gelebten Standard für Rentenentscheide bei Menschen mit Suchterkrankungen darstellt.

Zum Bundesgerichtsentscheid

 

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