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Themendossiers

Ethik

«Ethik» ist gemäss Definition Duden eine «philosophische Disziplin oder eine einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat». Sie ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um ihrer selbst willen (Theorie), sondern um eine verantwortbare Praxis.

Allerdings kann die Ethik nicht Handlungsanleitungen für die Vielfalt von konkreten Lebenssituationen geben. Vielmehr geht es ihr um die Reflexion des konkreten Handelns anhand allgemein gültiger Prinzipien.

In diesem Dossier werden nur die ethischen Grundlagendokumente vorgestellt, die CURAVIVA Schweiz als Orientierungshilfen erarbeitet hat. Viele ethische Einzelthemen werden in den übrigen Themendossiers zur Sprache gebracht (zB Assistierende Technologie, Beihilfe zum Suizid, Palliative Care/Patientenverfügung, Bewegungseinschränkende Massnahmen, Neues Erwachsenenschutzrecht, Alter und Migration, usw.)

Ethischer Grundwert «Würde»

Ein zentraler Grundwert eines humanen Lebens ist die Menschenwürde oder Würde des Menschen. Sie ist gemäss Bundesverfassung Artikel 7 zu achten und zu schützen. Gemäss breitem philosophischem Verständnis stellt die Menschenwürde einen normativen Anspruch dar. Das bedeutet, dass sie unbedingt gilt, allen Menschen zukommt und unverlierbar ist.

In dieser unverlierbaren Menschwürde sind die Werte der Autonomie und Selbstbestimmung verankert. Diese beiden Werte müssen besonders geschützt werden, wenn Menschen durch gesundheitliche Einschränkungen ihre Autonomiefähigkeit ganz oder teilweise verlieren. Diese Werte sind auch Bestandteil der umfassenden Lebensqualitätskonzeption für Menschen mit Unterstützungsbedarf von CURAVIVA Schweiz.

Arbeitshilfen zur Auseinandersetzung mit dem Thema «Würde»

In der Charta der Zivilgesellschaft «Zum würdigen Umgang mit älteren Menschen», die im Jahr 2010 von zahlreichen Fachverbänden unter Führung von CURAVIVA Schweiz lanciert wurde, werden verschiedene Richtlinien für verantwortungsbewusstes Handeln im Pflegebereich genannt. These 6 befasst sich mit der unverlierbaren Würde des Menschen und leitet daraus verschiedene Massnahmen zu ihrem Schutz ab.

Im Themenheft «Würde und Autonomie im Alter» werden die beiden grundlegenden ethischen Begriffe erklärt und verständlich gemacht. Zudem wird aufgezeigt, wie sie in der alltäglichen Praxis von Alters- und Pflegeinstitutionen konkret umgesetzt werden können.

Der methodische Leitfaden zum Themenheft «Würde und Autonomie im Alter» enthält 5 Vorschläge, wie zu ausgewählten Themen je eine 1 ½ stündige interne Fortbildung gestaltet werden kann. Die einzelnen methodischen Schritte werden konkret beschrieben, die Verweise auf die entsprechenden Seiten des Themenheftes erleichtern die Vorbereitung.

Grundlagen für verantwortliches Handeln im Heimbereich

In der kleinen Publikation von CURAVIVA Schweiz «Grundlage für verantwortliches Hadeln in Heimen und Institutionen» acht ethische Prinzipien beschrieben, die im Heimalltag von Bedeutung sind. Sie zeigen die Werthaltung auf, die in der täglichen Pflege-, Betreuungs- und Begleitarbeit Orientierung und Richtschnur sein soll.

Eine Unterstützung zur Reflexion dieser ethischen Grundlagen bildet die kleine Broschüre «hinhören, mitdenken, unterstützen». Zu den Prinzipien werden Szenen beschrieben und dargestellt, die zur Überprüfung des eigenen Handelns einladen.

Ethische Entscheidungsfindung

Ethisch schwierige Entscheidungen gehören zum Berufsalltag in Kliniken, Spitälern und Heimen. Dem multiprofessionellen Team obliegt es, den Einsatz der angemessenen medizinischen Massnahmen oder den bewussten Verzicht auf das Machbare zu beraten und gleichzeitig die Entscheide am ausgesprochenen oder mutmasslichen Willen des kranken Menschen zu orientieren.

Vor allem im Spitalbereich bekannt ist das Modell «7 Schritte Dialog» von Dialog Ethik (vgl. Link). Es eignet sich ganz besonders für sehr komplexe Entscheidungssituationen.

Die Publikation «EPOS– Ethische Prozesse in Organisationen im Sozialbereich» gibt  Mitarbeitenden in Altersinstitutionen und sozialen Einrichtungen einen Leitfaden in die Hand, wie in der alltäglichen praktischen Arbeit ethisch verantwortungsvolle Entscheide erzielt werden können. Das Hauptgewicht liegt auf dem gemeinsamen Gespräch und der gemeinsamen Reflexion über die tägliche Praxis.

Die Handreichung «Ethische Fallbesprechung – Eine interdisziplinäre Form klinischer Ethikberatung»(hier das Dokument hinterlegen) der MTG Malteser Trägergesellschaft GmbH zeigt verschiedene Formen der Fallbesprechung auf, legt grosses Gewicht auf die Ermittlung des geäusserten oder mutmasslichen Willen des Patienten und gibt konkrete Hinweise auf die Gesprächsstruktur und die Aufgaben der Moderation.

Informed Consent

Das Prinzip der informierten Einwilligung (Informed consent) gilt grundsätzlich für alle medizinischen Eingriffe und andere medizinische Massnahmen. Ohne diese Einwilligung stellen sie Eingriffe in die körperliche Integrität des Patienten dar und können von ihm strafrechtlich verfolgt werden.

Dieses zentrale Prinzip des Persönlichkeitsschutzes wurde durch das neue Erwachsenenschutzrecht explizit auch für urteilsunfähige Menschen ausgedehnt. Die sogenannte Kaskade stellt fest, wer anstelle der urteilsunfähigen Person rechtsgültig medizinischen Massnahmen zustimmen oder sie verweigern kann (siehe dazu das Themendossier zum neuen Erwachsenenschutzrecht).

Ethische Richtlinien zum Gesundheitswesen

In der Schweiz gibt es zwei Körperschaften, die zu ethischen Fragen im Gesundheitswesen Richtlinien und Empfehlungen erarbeiten.

Die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) ist eine im Jahr 2001 vom Bundesrat eingesetzte, unabhängige Expertenkommission. Sie berät die Behörden aus ethischer Sicht im Bereich der Humanmedizin.

Die Schweizerische Akademie für Medizinische Wissenschaften SAMW wurde 1943 durch die fünf medizinischen und die zwei Veterinärmedizinischen Fakultäten sowie die Verbindung der Schweizer Ärzte FMH gegründet. In den medizin-ethischen Richtlinien bearbeitet sie ethische Fragen im Zusammenhang mit medizinischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Eine Ethikkommission CURAVIVA Schweiz?

In einem längeren internen Prozess wurde abgeklärt, ob zur Behandlung ethischer Fragen die Schaffung einer CURAVIVA Ethikkommission sinnvoll sein könnte. Aufgrund des sehr breiten Themenspektrums ethischer Fragen haben Geschäftsleitung, die Gruppe Themenführerschaft und der Vorstand darauf verzichtet. Bei Bedarf sollen zu ethischen Themen gezielte Fachgutachten eingeholt werden.

In der Westschweiz bestehen bei mehreren Kantonalverbänden von CURAVIVA Schweiz Ethikkommissionen. Diese Kommissionen treffen sich regelmässig. Zudem haben die einzelnen Kommissionen verschiedene Dokumente erarbeitet. (Infos/Dokumente französisch)
 

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