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Für eine Annäherung zum Thema Cybermobbing lohnt sich ein Blick auf das herkömmliche, analoge Mobbing. 

Mobbing

Mobbing wurde in den 1970er Jahren erstmals vertieft erforscht. Der Begriff «Mobbing» hat seinen Ursprung im englischen Wort «mob», das übersetzt wird als «Pöbel» oder «Rotte». Im Englischen ist der Begriff Bullying gebräuchlich. In der deutschen Sprache werden Mobbing und Bullying mehrheitlich synonym verwendet.

Eine erste etablierte Definition lautete: «Ein Schüler oder eine Schülerin wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist. Dabei besteht zwischen Mobbingakteuren und von Mobbing Betroffenen meist ein Ungleichgewicht der Kräfte.» 

Später kam der Einfluss der sozialen Interaktion hinzu und es wurde zwischen indirekten und direkten Formen von Mobbing unterschieden. «Direkt» bedeutet eine konkrete Anwendung von psychischer oder physischer Gewalt, während «indirekt» keine direkte Konfrontation zwischen von Mobbing Betroffenen und Mobbingakteuren kennt (z.B. Verbreiten von Gerüchten, Ausschluss aus Gruppen). Heute gibt es verschiedene Definitionen von Mobbing, welche unterschiedliche Teilaspekte ins Zentrum rücken. Eine umfassende Definition hat die Initiative klicksafe publiziert: Mobbing ist das wiederholte und systematische Herabwürdigen anderer, das der Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, insbesondere nach Macht und Ansehen. Es findet in der Gruppe eine positive Resonanz, kann vom von Mobbing Betroffenen nicht allein beendet werden und verändert den Werterahmen der Gruppe. 

Nach der Definition des Mobbingforschers Dan Olweus liegt Mobbing vor, wenn Kinder und Jugendliche regelmässig (d.h. mindestens einmal pro Woche) und über einen längeren Zeitraum (d.h. ein Vierteljahr oder länger) negativen Handlungen eines oder mehrerer Schüler ausgesetzt sind. Zwischen dem Mobbingakteur und der von Mobbing betroffenen Person herrscht ein Machtungleichgewicht, so dass eine Gegenwehr deutlich eingeschränkt ist und die von Mobbing betroffenen Personen sich oft ohnmächtig fühlen. Mobbing ist der systematische Einsatz von physischer oder psychischer Gewalt.  

Cybermobbing ist ebenso wie Mobbing ein Gruppenphänomen und kann daher nicht von Einzelakteuren gelöst werden. Um dagegen vorzugehen, bedarf es eines systematischen und abgestimmten Vorgehens. 

Cybermobbing 

Man spricht von Cybermobbing, wenn eine Person mit dem Einsatz von digitalen Medien von einer anderen Person oder mehreren Personenüber einen längeren Zeitraum absichtlich beleidigen, bedrohen, blossstellen oder belästigen. Dies kann in sozialen Netzwerken (z.B. TikTok, Snapchat, Instagram), auf Videoportalen (z.B. YouTube, Twitch) oder auch durch Messenger (z.B. WhatsApp, Telegram, Signal) geschehen. Die Begriffe Cybermobbing, Cyberbullying und Internetmobbing werden in der deutschsprachigen Literatur meist gleichbedeutend verwendet. 

Die digitalen Medien dienen als Instrument, um das Mobbing umzusetzen. Die Absicht der mobbenden Person sowie die dabei ablaufenden Prozesse sind weitgehend ähnlich mit denen des analogen Mobbings.

Zahlen und Fakten 

Trotz rasanter technologischer Entwicklung überwiegt herkömmliches Mobbing gegenüber Cybermobbing eindeutig. Es besteht zudem eine starke Überlappung von Mobbing mit und ohne digitale Medien: Wer gemobbt wird, wird dies mehrheitlich sowohl online als auch offline. Und auch die mobbende Person macht dies meist ebenso häufig online wie offline. In den meisten Fällen gibt es also keine klare Trennlinie zwischen Cybermobbing und analogem Mobbing. Es ist davon auszugehen, dass sich die beiden Formen überschneiden und Mobbing-Prozesse sowohl analog wie auch online stattfinden.   

Folgende Studien liefern Hinweise auf die Verbreitung von Cybermobbing und Mobbing in der Schweiz. Zu beachten ist, dass die Studien unterschiedliche Sachverhalte unter dem Begriff Cybermobbing zusammenfassen. Sie zeigen aber alle, dass Cybermobbing und Mobbing in der Schweiz für viele Kinder und Jugendliche relevant sind:

  • Schülerinnen und Schüler aus der Schweiz berichten im europäischen Vergleich nebst Italien am häufigsten über Mobbingerfahrungen. Dies repliziert das Befundmuster aus der PISA-Studie 2015.

  • Gemäss der Schweizer Studie von EU Kids Online wurden im Jahr 2013 fünf Prozent der 9- bis 16-Jährigen online gemobbt.

  • Im Rahmen der repräsentativen JAMES-Studie erhebt die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften im 2-Jahresrythmus Zahlen zur Verbreitung von Cybermobbing. Die Erhebung aus dem Jahr 2020 liefert folgende Ergebnisse für die Altersgruppe der 12- bis 19-jährigen Jugendlichen in der Schweiz:

    • 29 Prozent der Schweizer Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren gaben an, dass sie schon einmal im Internet fertiggemacht wurden.

    • Mit zunehmendem Alter steigt die Zustimmung sowohl von Mädchen als auch Jungen zur Frage, ob sie schon einmal im Internet fertiggemacht wurden oder ob beleidigende Bilder / Texte oder Falschaussagen über sie per Handy oder Computer verbreitet wurde (ca. 10% bei den 8-10-Jährigen gegenüber knapp 20% bei den 18-19-Jährigen).

    • Mädchen werden im Internet häufiger fertiggemacht als Jungen (29% gegenüber 21%). Über sie werden häufiger beleidigende Bilder oder Texte versandt (18% gegenüber 12%) und Falschaussagen oder Beleidigendes verbreitet (19% gegenüber 10%).