Erlebnispädagogik

Natur, Bewegung, Initiative, Selbstverantwortung

CURAVIVA hält die Erlebnispädagogik für eine wirksame Methode in der Begleitung von Jugendlichen. Vor 3 Jahren hat sich der Verband in der Vernehmlassung gegen die Risikosportverordnung engagiert. In ihrer ersten Fassung hätte dies deutliche Einschränkungen im Bereich von natursportlichen Aktivitäten innerhalb von Institutionen nach sich gezogen. Das in der Folge in Kraft getretene Gesetz soll nun aber gemäss Entscheid des Bundes bereits 2017 mit der Begründung wieder aufgehoben werden, dass die Branche mittlerweile genügend eigene Sicherheitsstandards entwickelt hat.

In vielen Institutionen wird erlebnispädagogisch gearbeitet, so auch in der Stiftung YOU COUNT. Wir haben mit dem Geschäftsführer Thomas Schüpbach und Projektleiterin Sandra Münger über den Stellenwert der natursportlichen und musisch-kreativen Erlebnispädagogik gesprochen.

In der Stiftung YOU COUNT geht man davon aus, dass «ganzheitliche Erziehung immer nur unter Einbezug von Kopf, Hand und Herz möglich ist.» (Pestalozzi). Oder wie Kurt Hahn es umformuliert hat: «Hand, Kopf und Herz».

Es gibt viele Umstände, welche die natursportartliche Erlebnispädagogik und auch musisch-kreative Erlebnisse in der Pädagogik sehr gehaltvoll machen. Hier die wichtigsten Grundsätze:

Unmittelbarkeit: Das Verhalten des Menschen in der Natur wirkt sich schnell auf sein Wohlbefinden aus: Wenn unsere Jugendlichen ihre Snowboardschuhe trotz Aufforderung des Pädagogen nicht über Nacht an der Wärme versorgen, sind sie am nächsten Morgen gefroren. Oder wenn der Jugendliche sich weigert, Holz zu sammeln, gibt es am Abend kein wärmendes Feuer.

Kontextwechsel: Es kommen in der Natur andere Ressourcen zum Tragen als zum Beispiel in der klassischen Schulsituation: Der Jugendliche, der in der Schule durch sein temperamentvolles Verhalten die anderen stört, hat immer noch Energie zum Holz hacken, wenn alle anderen schon müde sind.

Beziehungsaufbau: In der Natur sind die Menschen schnell aufeinander angewiesen, dies wirkt sich auf ihre Beziehung untereinander aus: Die Jugendliche und ihre Betreuerin müssen einander beim Klettern und Abseilen vertrauen. Der Jugendliche und der Betreuer sind auf dem Trek ans Meer aufeinander angewiesen, werden im Verlaufe der Zeit unweigerlich fassbar und echt.

Flow: Der Teilnehmer kommt in eine Situation, in der er im Hier und Jetzt lebt, alle nicht notwendigen Gedanken in den Hintergrund treten: Die Jugendliche geht im Tanzen voll und ganz auf, ist sich der Sache sicher und fühlt sich der Situation total gewachsen.

Der Mensch von heute ist nicht wie früher überlebensorientiert sondern erlebnisorientiert. Deshalb nimmt in unserer Gesellschaft die Erlebnisdichte stetig zu, dies allerdings auf Kosten der Erlebnistiefe. Die Erlebnispädagogik bietet den Jugendlichen das Erlebnis, versucht aber die Tiefe des Erlebten zu nutzen. Deshalb sind im Verständnis der Stiftung YOU COUNT in der Erlebnispädagogik die Reflexion und der Transfer in den Alltag von zentraler Bedeutung. Die ausgewählte Aktivität ist sekundär und somit den Bedürfnissen unserer Jugendlichen anpassbar.

So streben PädagogInnen im Alltag aufgrund des Erlebten gemeinsam mit den Jugendlichen eine nachhaltige Verhaltensveränderung an.

Thomas Schüpbach, Geschäftsführer YOU COUNT und Vorsitzender CURAVIVA Fachkonferenz Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen

Sandra Münger, Projektleiterin YOU COUNT


CURAVIVA Weiterbildung bietet in Kooperation mit planoalto ein zweiteiliges NDS Erlebnispädagogik an.

Erlebnisorientierte Angebote hat CURAVIVA Weiterbildung auch für Führungspersonen: Outdoor-Fachkurs «Unter freiem Himmel»

Bei Fragen bin ich gerne für Sie da: Konstanze Thomas, Bildungsbeauftragte Kindererziehung und Sozialpädagogik, k.thomas@curaviva.ch, Tel. 041 419 01 89


Wir stellen für Sie regelmässig ein neues Thema ins «Schaufenster». Für Mai ist geplant: Beratung in Veränderungsprozessen.

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