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Interview

«Kreieren entsteht in einem wertfreien Raum. Das ist unsere Grundhaltung»

Interview mit Eva Bischofberger, Leiterin des Lehrgangs Kunstagogik

Frau Bischofberger, den Lehrgang Kunstagogik gibt es seit vielen Jahren. Wie hat alles angefangen?

Angefangen haben die beiden Frauen Vera Decurtins und Ann Giger, beide Dozierende an der agogis. In ihren Praxistagen, die sie damals anboten, beobachteten sie, wieviel kreatives Potential in den Studierenden steckte und begannen mit 3-tägigen Einführungskursen, in denen sie die intermediale Methode vorstellten. Beide Frauen waren Absolventinnen des Instituts für Kunsttherapie in Zürich und hatten dort diese Methode gelernt. Sie konzipierten einen Weiterbildungskurs mit 5 Blöcken. Seit dem Jahr 2000 haben jetzt 15 Lehrgänge mit viel Freude und grossem Engagement diesen Kurs erfolgreich abgeschlossen und bringen ihre Ideen und ihr Wissen in ihre jeweiligen Institutionen hinein.

Dass der Kurs sehr praxisorientiert gestaltet ist, dass die Verbindung in die Praxis neben der Entwicklung der eigenen Spiellust und Fähigkeiten ein Hauptanliegen ist, das alles ist sicher ein Teil des Erfolges der Kunstagogik. Im Laufe der Jahre hat sich der Inhalt laufend entwickelt und neue Angebote wie auch neue Dozierende halten den Weiterbildungsgang lebendig und frisch. Im Laufe der Kurstage werden laufend kleine Anwendungen erprobt, welche dann weiterentwickelt werden. So sind wir gestaltend unterwegs und erfreuen uns der vielen Erlebnisse und Überraschungen.

Ich freue mich und mit mir alle Dozierenden, dass CURAVIVA Weiterbildung der neue Anbieter vom Lehrgang Kunstagogik ist.

Was muss jemand an Vorwissen und Vorkönnen mitbringen, wenn er/sie den Lehrgang besuchen möchte? Muss man Künstler/Künstlerin sein?

Jeder ist ein Künstler, sagte Beuys, und wir halten uns auch daran. So sind alle willkommen, die interessiert sind, Neues kennenzulernen und Lust haben, sich Neuem auszusetzen. Man darf auch scheu sein, man darf Künstler sein, man darf einfach kommen. Kreieren entsteht in einem wertfreien Raum. Das ist unsere Grundhaltung.

Mit welchen verschiedenen Techniken und Medien wird in der Weiterbildung gearbeitet?

In jedem Block gibt es zwei Schwerpunkte, die sich ergänzen. Innerhalb der Schwerpunkte gilt ebenfalls der intermediale Ansatz, d.h. andere Techniken können dazukommen. So werden im Block «Gestalten» verschiedene Techniken gezeigt und im anschliessenden Teil von Skulptur und Natur Methoden im Zusammenspiel mit der Natur erlebt. Nach der Einführung in die intermediale Methode mit vielen Erfahrungen, werden die Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln ein Video zu erstellen gelehrt. Nach den Erfahrungen, mit Bewegung und Tanzmethoden den Körper als Medium zu erfahren, werden Gestaltungsprozesse initiiert, die vielleicht mit einem Bild, einem Traum oder einer Geschichte beginnen. Auf die Tage voller Ideen, wie mit Musik den Zugang zum musikalischen Ausdruck zu fördern und zu unterstützen, werden Spiele mit der Stimme und einiges mehr weitere Räume öffnen. Zuletzt, wenn die Gruppe voller Enthusiasmus ist, kommt das Theaterspiel und mit ihm die Poesie des Darstellens, der Bühnengestaltung, Kostüme, etc. Und auch das ist noch nicht alles, denn darin und dazwischen passiert noch mehr!

Was sind in Ihrer Erfahrung die Highlights, welche die AbsolventInnen des Lehrgangs in der Praxis erleben? Wie können sie neu erworbene Kompetenzen konkret einsetzen? Können Sie Beispiele nennen? Wie gelingt die Vernetzung der ausgebildeten KunstagogInnen nach Abschluss der Weiterbildung?

Das Highlight lese ich immer wieder in den Projektbeschreibungen, welche von der eigenen Arbeit mit den eigenen Leuten berichten. In ihrem Schlussprojekt erleben alle Studierenden, wie es sich anfühlt, einen Bewohner oder eine Gruppe zu ihrem jeweiligen ureigenen Ausdruck zu führen. Durch diese Reaktionen der Bewohnenden erleben die Studierenden, was Kunstagogik bewirken kann von der Seite der Leitung her. Mehr als die Hälfte der Projekte werden weitergeführt, weil die Leute es wünschen, weil die Vorgesetzten den Wert erkennen und weil die neuen Kunstagoginnen und Kunstagogen begeistert sind im wahrsten Sinne des Wortes.

 Für alle zertifizierten Kunstagoginnen und Kunstagogen wurde ein «Forum Kunstagogik» gegründet. Diese Gruppe organisiert jährlich einen Weiterbildungstag mit Workshop, Vernetzung und Betriebsbesichtigung, denn jedes Jahr findet das Forum in einer andern Institution statt. Eine Homepage wird demnächst eingerichtet, wo alle Informationen zu lesen sein werden.

Kunstagogisches Arbeiten ist für viele sozialpädagogische Institutionen von CURAVIVA ein spannender Ansatz. Eignet sich der Lehrgang auch für die Arbeit mit betagten Menschen mit Demenz oder mit anderen verbalen, kognitiven oder motorischen Einschränkungen?

Ja, natürlich eignet sich der Ansatz für alle Bereiche, die mit Menschen zu tun haben. Aus allen oben erwähnten Bereichen haben Leute schon die Kunstagogik absolviert. Der intermediale Ansatz wird im Hinblick auf einfachste Interventionen angewendet und gelehrt. Hier einige Beispiele:

  • Eine Kunstagogin initiierte eine Ausstellung von den Fotos eines an Demenz Erkrankten und schenkte ihm so ein wunderbar wertvolles Erlebnis.
  • Ein Kunstagoge liess eine betagte Frau ihre Geschichten erzählen und anschliessend zu jeder Geschichte die passende Farbe aussuchen.
  • Eine Kunstagogin entwickelte mit betagten Menschen (z.T. im Rollstuhl) für den Aufenthaltsraum eine neue Wandgestaltung mit Schwammtechnik.
  • Ein Kunstagoge lehrte einen schwer Behinderten, mit dem Computer Bilder zu zeichnen und machte daraus ein Buch mit Texten, die mittels unterstützter Kommunikation entstanden.

Dies sind nur einige von hunderten von Projekten, die im Laufe der Weiterbildung zur Ausführung kamen. Mit jedem Jahr kommen neue dazu.

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